Energiepass und Energieausweis: Dasselbe?
Viele suchen nach dem Energiepass, meinen aber den Energieausweis. Hier lesen Sie, woher der Begriff kommt, warum er sich geändert hat und was heute gilt.
Energiepass und Energieausweis: dasselbe Dokument
Kurze Antwort vorweg: Energiepass und Energieausweis sind dasselbe Dokument. Inhaltlich, rechtlich, formal kein Unterschied. Energiepass war der Arbeitstitel vor 2007, danach hat der Gesetzgeber auf Energieausweis umgestellt. Wer heute also einen Energiepass sucht, will den Ausweis nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Mehr nicht.
Solche Verschiebungen kommen häufiger vor. Der Führerschein hieß früher Fahrerlaubnis, der Personalausweis heißt im Alltag immer noch Perso, und beim Energieausweis ist eben Energiepass der hartnäckige Spitzname geblieben.
Auf dieser Seite ordnen wir ein, woher der Begriff stammt, warum er sich gehalten hat und was im aktuellen Ausweis nach GEG eigentlich drinsteht.
Die Geschichte des Begriffs Energiepass
Die Geschichte des Energiepasses beginnt mit der EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) aus dem Jahr 2002. Diese Richtlinie verpflichtete alle EU-Mitgliedsstaaten, ein System zur energetischen Bewertung von Gebäuden einzuführen. In Deutschland begann daraufhin die Umsetzung:
2002 bis 2007: Die Pilotphase mit dem Energiepass
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) startete im Jahr 2003 einen groß angelegten Feldversuch, in dem erstmals Energiepässe für Gebäude ausgestellt wurden. Das Projekt hieß offiziell Feldversuch Energiepass und testete verschiedene Berechnungsmethoden und Darstellungsformen. In dieser Phase wurde das Dokument ausschließlich als Energiepass bezeichnet, so wie es auch die Medien und die Öffentlichkeit übernahmen.
Der dena-Energiepass enthielt bereits die wesentlichen Elemente, die auch der heutige Energieausweis hat: einen Energiekennwert auf einer Farbskala, Angaben zum Gebäude und Modernisierungsempfehlungen. Allerdings war er noch nicht standardisiert und variierte je nach Aussteller.
2007: Die EnEV macht den Energieausweis offiziell
Mit der Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2007 wurde die energetische Gebäudebewertung erstmals gesetzlich geregelt. Der Verordnungsgeber entschied sich dabei bewusst für den Begriff Energieausweis statt Energiepass. Die Begründung: Das Dokument ist ein Ausweis über die energetische Qualität eines Gebäudes, vergleichbar mit einem Personalausweis als Identitätsnachweis. Der Begriff Pass wurde als zu eng empfunden, da er eher an ein Reisedokument erinnert.
2008 und 2009: Schrittweise Einführungspflicht
Ab dem 1. Juli 2008 war der Energieausweis für Wohngebäude mit Baujahr vor 1965 Pflicht. Ab dem 1. Januar 2009 galt die Pflicht für alle Wohngebäude. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verschwand der Begriff Energiepass aus den offiziellen Dokumenten, nicht aber aus dem Sprachgebrauch der Bevölkerung.
2014: Energieeffizienzklassen ergänzen den Ausweis
Mit der EnEV 2014 wurden die Energieeffizienzklassen A+ bis H auf dem Energieausweis eingeführt, analog zu den bekannten Effizienzklassen bei Haushaltsgeräten. Außerdem wurde die Pflicht zur Angabe von Energiekennwerten in Immobilienanzeigen verankert.
2020 bis heute: Das GEG als einheitliches Regelwerk
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) von 2020 fasste die EnEV, das Energieeinsparungsgesetz und das Erneuerbare Energien Wärmegesetz zusammen. Der Energieausweis ist seitdem in den §§ 79 bis 88 GEG geregelt. Der Begriff Energiepass kommt im GEG nicht vor, es heißt ausschließlich Ausweis.
Warum sagen viele noch Energiepass?
Offiziell heißt das Dokument seit fast zwei Jahrzehnten Energieausweis. In Suchanfragen, in Maklerportalen und in Beratungsgesprächen taucht trotzdem noch ständig der Energiepass auf. Drei Gründe spielen dabei zusammen:
| Grund | Erklärung |
|---|---|
| Medienwirkung der Pilotphase | Die dena-Feldversuche von 2003 bis 2007 wurden von intensiver Medienberichterstattung begleitet. Der Begriff Energiepass hat sich in dieser Zeit fest im Gedächtnis vieler Eigenheimbesitzer verankert. |
| Eingängigkeit | Das Wort Energiepass ist kürzer und klingt alltäglicher als Energieausweis. Es erinnert an den Reisepass, ein Dokument, das jeder kennt. |
| Gewohnheit | Wer vor 2007 erstmals mit dem Thema in Berührung kam, hat den Begriff Energiepass gelernt und verwendet ihn weiterhin. |
| Verbreitung im Internet | Viele ältere Webseiten und Ratgebertexte verwenden noch den Begriff Energiepass. Suchmaschinen zeigen diese Inhalte weiterhin an, was den Begriff lebendig hält. |
Im Gespräch mit Energieberater, Schornsteinfeger oder Hausverwaltung können Sie ruhig Energiepass sagen. Niemand wird Sie korrigieren, jeder versteht, was gemeint ist. Nur in Verträgen, Anzeigen und Schriftstücken an Behörden gehört der offizielle Begriff hin.
Der aktuelle offizielle Begriff: Energieausweis
Seit dem 1. November 2020 ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG) die wichtige Rechtsgrundlage. Der offizielle und einzig korrekte Begriff lautet Energieausweis. Er wird in allen Gesetzen, Verordnungen, behördlichen Dokumenten und offiziellen Formularen verwendet.
In folgenden Kontexten sollten Sie ausschließlich den Begriff Energieausweis verwenden:
- In Immobilienanzeigen (gesetzliche Pflichtangaben)
- In Kaufverträgen und Mietverträgen
- Im Schriftverkehr mit Behörden
- Bei der Beauftragung eines Ausstellers
Der Begriff Energiepass hat keine rechtliche Relevanz mehr. Ein so bezeichnetes Dokument wäre zwar inhaltlich identisch, könnte aber theoretisch zu Irritationen führen, wenn es in offiziellen Zusammenhängen verwendet wird.
Immobilienmakler sind gesetzlich verpflichtet, die Energiekennwerte in ihren Verkaufsanzeigen anzugeben. Ein professioneller Makler wie Wonora stellt dabei sicher, dass alle GEG-Pflichtangaben zum Energieausweis korrekt in der Immobilienanzeige erscheinen.
Was der Energieausweis heute enthält
Der moderne Energieausweis nach GEG ist ein standardisiertes, fünfseitiges Dokument mit folgenden Inhalten:
| Seite | Inhalt |
|---|---|
| Seite 1 | Allgemeine Angaben zum Gebäude (Adresse, Baujahr, Gebäudetyp, Nutzfläche) sowie Ausstellungsdatum und Registriernummer |
| Seite 2 | Energiekennwerte des Bedarfsausweises (Endenergiebedarf, Primärenergiebedarf, Energieeffizienzklasse auf Farbskala) |
| Seite 3 | Energiekennwerte des Verbrauchsausweises (Energieverbrauchskennwert, Energieeffizienzklasse auf Farbskala) |
| Seite 4 | Modernisierungsempfehlungen des Ausstellers |
| Seite 5 | Allgemeine Erläuterungen zum Energieausweis |
Je nach Ausweisart ist entweder Seite 2 (Bedarfsausweis) oder Seite 3 (Verbrauchsausweis) ausgefüllt, niemals beide. Der Ausweis wird beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) registriert, ist zehn Jahre gültig und wird von einem nach § 88 GEG qualifizierten Aussteller erstellt.
Verglichen mit dem dena-Pass aus den Pilotjahren hat sich vieles verbessert: einheitliche Darstellung, intuitive Effizienzklassen A+ bis H, Pflichtregistrierung beim DIBt und höhere Anforderungen an die Aussteller. Wer den Ausweis heute in der Hand hält, hat ein deutlich verlässlicheres Dokument vor sich als noch vor fünfzehn Jahren.
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