Energieausweis Software
Welche Programme nutzen Profis zur Erstellung von Energieausweisen? Ein Überblick über die wichtigsten Softwarelösungen, ihre Funktionen und Kosten.
Professionelle Software im Überblick
Ein Energieausweis entsteht nicht in Excel. Hinter jedem rechtsgültigen Dokument steckt eine Software, die die Normen DIN V 18599 und DIN V 4108/4701 umsetzt und tausende Parameter zu einem Kennwert verdichtet.
Der deutsche Markt ist überschaubar, aber vielschichtig. Da gibt es Desktop-Suiten für Energieberater und Architekten, schlanke Online-Tools für Verbrauchsausweise und Komplettpakete, die Sanierungsfahrplan, KfW-Nachweise und Wirtschaftlichkeitsberechnung gleich mitliefern.
Welche Software passt, entscheidet der Anwendungsfall. Nur Verbrauchsausweise? Auch Bedarfsausweise? Wohngebäude oder Nichtwohngebäude? Soll iSFP oder KfW dabei sein? Auf dieser Seite ordnen wir die wichtigsten Programme ein und zeigen, für wen welcher Funktionsumfang Sinn ergibt.
Wer darf die Software nutzen?
Wer die Software kauft, darf den Ausweis ausstellen, oder? Eindeutig nein. Die Berechtigung hängt an der Person, nicht am Programm. Das ist die häufigste Verwechslung in unseren Beratungsgesprächen.
Laut § 88 GEG dürfen Energieausweise ausschließlich von qualifizierten Fachpersonen ausgestellt werden, unabhängig davon, welche Software sie verwenden. Zu den berechtigten Personengruppen gehören Architekten, Bauingenieure, staatlich geprüfte Techniker mit Weiterbildung, zertifizierte Energieberater und Schornsteinfeger mit Zusatzqualifikation.
Privatpersonen können die Software zwar theoretisch erwerben und damit eigene Berechnungen durchführen, etwa um den energetischen Zustand ihres Gebäudes besser zu verstehen. Ein damit erstellter Energieausweis wäre jedoch rechtlich unwirksam und dürfte bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung nicht vorgelegt werden. Zudem drohen bei unberechtigter Ausstellung Bußgelder von bis zu 10.000 €.
In der Praxis nutzen die folgenden Berufsgruppen Energieausweis-Software:
- Energieberater als Hauptwerkzeug ihrer täglichen Arbeit
- Architekturbüros für die energetische Planung von Neubauten und Sanierungen
- Ingenieure und Planer bei der Gebäudeplanung und Gebäudebewertung
- Schornsteinfeger mit Zusatzqualifikation für Energieausweise im Bestand
- Online-Anbieter, deren qualifizierte Aussteller die Software im Hintergrund nutzen
Beliebte Programme im Detail
Im deutschen Markt haben sich mehrere Softwarelösungen als Standard etabliert. Hier eine Übersicht der wichtigsten Programme:
Hottgenroth Energieberater
Die Software der Firma Hottgenroth ist der Marktführer im Bereich Energieausweis-Software in Deutschland. Die Suite deckt das gesamte Spektrum ab: Verbrauchsausweise, Bedarfsausweise für Wohngebäude und Nichtwohngebäude, KfW-Nachweisführung, individuelle Sanierungsfahrpläne (iSFP), Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Fördermittelberatung. Sie zeichnet sich durch eine umfangreiche Bauteilbibliothek und regelmäßige Updates bei Gesetzesänderungen aus. Der modulare Aufbau ermöglicht es Nutzern, nur die benötigten Funktionen zu lizenzieren.
EVEBI von ENVISYS
EVEBI ist eine der meistgenutzten Softwarelösungen für Energieberater in Deutschland. Das Programm bietet eine besonders intuitive Bedienoberfläche und eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Berater. EVEBI umfasst Module für Energieausweise (Verbrauch und Bedarf), Sanierungsfahrpläne nach iSFP-Standard, KfW-Nachweise und Wirtschaftlichkeitsanalysen. Eine Stärke von EVEBI ist die übersichtliche Darstellung der Berechnungsergebnisse, die auch im Kundengespräch gut verwendbar ist.
ArchiPHYSIK
ArchiPHYSIK richtet sich primär an Architekten und Planer und bietet eine enge Integration in den Planungsprozess. Die Software berechnet neben dem Energieausweis auch den Wärmeschutznachweis nach GEG, den sommerlichen Wärmeschutz und den Schallschutz. Besonders verbreitet ist ArchiPHYSIK in Österreich, wird aber auch in Deutschland eingesetzt. Die Bauteilbibliothek und die Möglichkeit, eigene Bauteile detailliert zu definieren, machen die Software für die Neubauplanung besonders attraktiv.
Bauphysik-Software von Kern Ingenieurkonzepte
Die BKI-Energieausweis-Software und die Lösungen von Kern Ingenieurkonzepte bieten spezialisierte Werkzeuge für verschiedene Anwendungsfälle. BKI fokussiert sich auf eine möglichst einfache Erstellung von Ausweisen, während die Kern-Software tiefergehende bauphysikalische Berechnungen ermöglicht.
dena-Ausweistool
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) bietet ein webbasiertes Tool für die Erstellung von Verbrauchsausweisen an. Dieses Tool ist cloudbasiert, erfordert keine lokale Installation und ist vergleichsweise günstig. Es eignet sich für Aussteller, die hauptsächlich Verbrauchsausweise erstellen und keine umfangreiche Bedarfsausweis-Funktionalität benötigen.
Online-Tools vs. Profi-Software
Die Unterschiede zwischen webbasierten Online-Tools und professioneller Desktop-Software sind erheblich und betreffen Funktionsumfang, Genauigkeit und Anwendungsbereich:
Webbasierte Online-Tools
- Fokus auf Verbrauchsausweise für Wohngebäude
- Vereinfachte Dateneingabe mit geführten Formularen
- Keine lokale Installation erforderlich, läuft im Browser
- Geringere Kosten (teilweise Einzelabrechnung pro Ausweis)
- Automatische Updates: immer auf aktuellem Gesetzesstand
- Eingeschränkter Funktionsumfang: keine KfW-Nachweise, keine iSFP
Professionelle Desktop-Software
- Vollständige Berechnung nach DIN V 18599 und DIN V 4108/4701
- Verbrauchsausweise und Bedarfsausweise für Wohngebäude und Nichtwohngebäude
- KfW-Nachweisführung und individuelle Sanierungsfahrpläne (iSFP)
- Umfangreiche Bauteilbibliotheken und Anlagenbibliotheken
- Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Variantenvergleiche
- Export in verschiedene Formate, Anbindung an DIBt-Registrierung
- Höhere Kosten durch jährliche Lizenzgebühren
Für Online-Anbieter, die hauptsächlich Verbrauchsausweise für Standardwohngebäude erstellen, reichen oft webbasierte Tools aus. Energieberater, die das gesamte Leistungsspektrum anbieten (von Bedarfsausweisen über KfW-Nachweise bis hin zu Sanierungsfahrplänen), benötigen eine professionelle Desktop-Software.
Kosten für Software-Lizenzen
Die Kosten für Energieausweis-Software variieren je nach Hersteller, Funktionsumfang und Lizenzmodell erheblich. Die meisten Anbieter setzen auf jährliche Lizenzgebühren, die regelmäßige Updates bei Gesetzesänderungen und technischen Support einschließen.
Typische Kostenspannen
- Einfache Verbrauchsausweis-Module: 200 bis 400 € pro Jahr
- Bedarfsausweis für Wohngebäude: 400 bis 800 € pro Jahr
- Komplettpaket Wohngebäude (Verbrauch + Bedarf + iSFP): 800 bis 1.500 € pro Jahr
- Komplettpaket inkl. Nichtwohngebäude: 1.200 bis 2.500 € pro Jahr
- Enterprise-Lizenzen für große Büros: ab 2.000 € pro Jahr (Mehrplatz)
Lizenzmodelle
Die gängigsten Lizenzmodelle sind:
- Jahresabonnement: Das häufigste Modell mit jährlicher Zahlung inklusive aller Updates und Support. Bei Nichtverlängerung erlischt die Nutzungsberechtigung.
- Einzellizenz mit Wartungsvertrag: Einmalige Anschaffung plus jährlicher Wartungsvertrag für Updates. Ohne Wartungsvertrag bleibt die Software nutzbar, erhält aber keine Updates mehr.
- Pay-per-Use: Bei einigen Online-Tools zahlen Sie pro erstelltem Ausweis. Dieses Modell eignet sich für Aussteller mit geringem Volumen.
Für Energieberater, die regelmäßig Energieausweise erstellen, amortisieren sich die Software-Kosten schnell. Bei einem durchschnittlichen Preis von 200 bis 500 € pro Bedarfsausweis und einer Software-Lizenz von 1.000 € pro Jahr sind bereits zwei bis fünf Ausweise pro Jahr ausreichend, um die Kosten zu decken.
Anforderungen und Zertifizierungen
Energieausweis-Software muss strenge fachliche Anforderungen erfüllen, um rechtskonforme Ausweise zu erzeugen. Die wichtigsten Anforderungen sind:
Berechnungsnormen
- DIN V 18599: Das Normwerk für die energetische Bewertung von Gebäuden. Es umfasst alle Energiebilanzanteile, von Heizung über Warmwasser und Lüftung bis hin zu Beleuchtung und Kühlung. Für Nichtwohngebäude ist die Berechnung nach DIN V 18599 zwingend vorgeschrieben.
- DIN V 4108-6 / DIN V 4701-10: Das vereinfachte Berechnungsverfahren für Wohngebäude. Es bietet eine Alternative zur DIN V 18599 für die Bewertung von Wohngebäuden und ist in der Praxis nach wie vor weit verbreitet, obwohl es für Neubauten nach GEG 2024 nicht mehr angewendet werden darf.
GEG-Konformität
Die Software muss die aktuellen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes korrekt umsetzen, einschließlich der verschärften Anforderungen seit dem 1. Januar 2024. Dazu gehören die korrekten Primärenergiefaktoren, die Berücksichtigung erneuerbarer Energien und die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz.
DIBt-Registrierung
Professionelle Software bietet meistens eine Schnittstelle zur automatischen Registrierung des Energieausweises beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt). Dies vereinfacht den Prozess erheblich und sorgt dafür, dass der Ausweis eine gültige Registriernummer erhält.
Validierung
Seriöse Softwarehersteller lassen ihre Programme regelmäßig durch unabhängige Institute validieren. Diese Validierung sorgt dafür, dass die Berechnungen den Normen entsprechen und die Software korrekte Ergebnisse liefert. Achten Sie bei der Software-Wahl auf entsprechende Validierungsnachweise.
Für wen lohnt sich welche Lösung?
Die Wahl der richtigen Software oder des richtigen Dienstleistungswegs hängt von Ihrer Situation ab:
Für Eigentümer (Privatpersonen)
Als Eigentümer benötigen Sie keine eigene Software. Der wirtschaftlichste Weg ist die Beauftragung eines Fachmanns, entweder online (ab 69,95 € für Verbrauchsausweise) oder beim Energieberater vor Ort. Die Software-Kosten und die fehlende Ausstellungsberechtigung machen eine eigene Anschaffung in keinem Fall sinnvoll.
Für Energieberater im Nebenerwerb
Wenn Sie nur gelegentlich Energieausweise erstellen, empfiehlt sich ein modularer Einstieg: Ein Verbrauchsausweis-Modul für 200 bis 400 € pro Jahr deckt den Grundbedarf. Bei steigendem Volumen können Sie schrittweise Module für Bedarfsausweise und iSFP hinzubuchen.
Für hauptberufliche Energieberater
Hauptberufliche Energieberater benötigen eine Software-Suite, die Verbrauchsausweise, Bedarfsausweise, KfW-Nachweise und individuelle Sanierungsfahrpläne abdeckt. Investitionen von 800 bis 1.500 € pro Jahr sind hier die Regel und amortisieren sich bei regelmäßiger Nutzung schnell. Die Wahl zwischen Hottgenroth, EVEBI und anderen Anbietern ist oft eine Frage der persönlichen Präferenz und der Bedienphilosophie.
Für Architekturbüros
Architekturbüros benötigen Software, die sich nahtlos in den Planungsprozess integriert. ArchiPHYSIK und die Hottgenroth-Suite bieten hier entsprechende Schnittstellen und Funktionen. Neben dem Energieausweis sind für Architekten oft auch der Wärmeschutznachweis, der sommerliche Wärmeschutz und der Schallschutz relevant, Funktionen, die in Bauphysik-Suiten integriert sind.
Häufig gestellte Fragen zur Energieausweis-Software
Energieausweis ohne eigene Software erstellen
Energieausweis online beantragen: ohne eigene Software, ohne technischen Aufwand.
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